Austauschbare Produkte verkaufen

Vor kurzem bekam ich eine Nachricht von einem Außendienstmitarbeiter eines Werkzeughändlers mit großem Sortiment. Er schrieb:

Sehr geehrter Herr Heinrich,

ich lese immer Ihre Nachrichten und News, wie auch heute. Ich bin im direkten Verkaufsaußendienst unterwegs. Ich vertreibe Produkte, die in ähnlicher Art von vielen verschiedenen Firmen verkauft werden, und die auch im Internet erhältlich sind. Da ich gestern durch Zufall auf einem Seminar war, wundere ich mich auch heute wieder, wie einfach es angeblich sein soll, zu verkaufen. Ich höre immer wieder die Schlagworte “einzigartig”, “Nutzen verkaufen” und und und…
Wie will man Produkte, die von unheimlich vielen Anbietern in gleicher Qualität, zu gleichem oder sogar billigerem Preis, genauso schnell und kostengünstig geliefert werden, einzigartig darstellen?
Ich hoffe auf eine kleine Info
MfG
Torsten K…..
Die Auslassungen … ersetzen Namen, die ich hier nicht öffentlich machen will. Weil diese Frage auch in Seminaren immer wieder ausgesprochen wird, habe ich sie sehr ausführlich beantwortet:

Sehr geehrter Herr K….,

es geht nicht primär um Einzigartigkeit, sondern um die beste Alternative. Wenn Sie aus drei Bäckereien oder aus drei Tankstellen auswählen, dann tun Sie das nicht, weil eine davon “einzigartig” ist. Sie tun das, weil eine davon einen Tick besser ist.
Vielleicht ist es der zehntel Cent, den der Diesel hier billiger ist? Oder das Brötchen, das im Dreier-Pack noch 3 Cent günstiger ist? Ja, das könnte sein. Für manche (wenige) Kunden ist der Preis wirklich das Einzige, was zählt. Aber Hand aufs Herz: Könnten Sie sich die 3 Cent mehr für andere Brötchen oder die 6 Cent mehr für eine Tankfüllung nicht leisten? Ich denke, Sie könnten das durchaus verkraften. Also geht es bei Billig-Käufern darum, dass Sie ansonsten keinen Unterschied zwischen den Alternativen sehen. Wenn aus meiner Sicht als Kunde alles gleich ist (außer dem Preis) dann ist klar, dass ich mich nur am Preis orientiere.
Und genau hier beginnt die wunderbare Aufgabe des Verkaufens. Im Gegensatz zum Marketing müssen wir die Haltung und die Entscheidungsparameter des Kunden nicht erraten – wir können Sie erfragen.
Wir als Verkäufer sind im Dialog mit dem Kunden und wir können Fragen stellen, um herauszufinden, was für ihn wichtig ist. Wir können die wichtigen Entscheidungsparameter finden. Sollte es wirklich einer der Fälle sein, in denen allein der Preis entscheidet, dann lohnt es sich kaum, den Kunden weiter zu besuchen. Das ist allerdings nur äußerst selten so.
Bitte machen Sie nicht den Fehler, ausschließlich mit dem professionellen Einkäufer zu sprechen, denn dessen Aufgabe ist es, alles vergleichbar zu machen, keine Präferenz in der Lieferantenbeziehung zuzulassen und den Preis bei gleicher Qualität in den Vordergrund zu stellen. Sprechen Sie auch mit den anderen Beteiligten und Betroffenen. Finden Sie heraus, wer  die Entscheidung letztendlich wirklich trifft. Finden Sie heraus, wie Sie die Wertschöpfung Ihrer Produkte und Leistungen für diese anderen Ansprechpartner beim Kunden maximieren können.
Nutzen Sie Fragen wie: “Mal angenommen, Sie würden sich entscheiden, unsere Produkte einzusetzen – was wäre für Sie ausschlaggebend?” oder “Wenn Sie darüber nachdenken, uns als weiteren Lieferanten für *austauschbare Produkte* zusätzlich aufzunehmen – was müssten wir Ihnen wertvolles bieten?”
Wenn Sie jetzt vermuten, dass dann die Antwort kommt: “Na, den besten Preis” – Prima! Dann sagen Sie als Nächstes: “Ok. Ihnen ist der Preis wichtig. Und darüber hinaus? Was müsste noch in unserem Angebot sein, damit Sie uns in Erwägung ziehen?”
Nichts klappt immer. Es gibt keine starren Rezepte für Erfolg. Aber es gibt Strategien und Methoden, die Ihre Erfolgswahrscheinlichkeit drastisch erhöhen. Das ist das Schöne an unserem Beruf: Wir haben es mit Menschen zu tun. Jede Begegnung ist immer wieder eine Chance, Veränderungen zu bewirken. Manchmal nicht mit dem gewünschten Ergebnis, aber wenn wir bei jeder Gelegenheit unser Bestes geben, hin und wieder dazulernen und es beim nächsten Mal wieder mit neuem Mut versuchen – was soll da schon schief gehen?
Mit den besten Grüßen
Stephan Heinrich
Was ist Ihre Meinung dazu? Was denken Sie über den Vertrieb von austauschbaren Produkten? Was denken Sie über Alleinstellungsmerkmale und den sogenannten USP?

Preisgespräche gewinnen

Sales up Call Walter ZimmermennEin Preis braucht Logik. Wer viel leistet, darf und muss dafür auch viel verlangen. Doch wie gelingt es, einen hohen Preis zu vertreten? Wie kann man dem Kunden glaubhaft vermitteln, dass das Produkt diesen Preis auch wert ist? Über genau diese Fragen habe ich mich mit Walter Zimmermann, einem ausgewiesenen Experten im Bereich Management und Vertrieb, unterhalten. Eine Stunde lang haben wir unsere Erfahrungen und Tipps aus der Praxis zusammengetragen. Wenn Sie wissen wollen, zu welchen Überzeugungen wir gelangt sind, können Sie das Gespräch unter www.sales-up-call.de gerne abonnieren.

Künftig sind dort alle zwei Wochen Expertengespräche zu Themen wie “Gesprächsführung”, “Elevator Pitch” oder “Kaltaquisition” zu finden. Für nur 5,95 Euro können Sie die Serie abonnieren und damit immer wieder neue Impulse für ihren Vertrieb bekommen. Sollte Sie jeweils nur ein spezielles Thema interessieren, sind die Folgen natürlich auch einzeln zu haben. Ein Blick auf die Seite lohnt sich in jedem Fall.

Link zur aktuellen Ausgabe: Preisgespräche gewinnen

Preiswert – sind Sie es Wert?

Wenn Sie sich Zustimmung für ein Projekt oder eine Idee holen wollen, so ist das fast immer mit einer Gegenleistung verbunden – zumeist mit einem Geldbetrag. Da liegt es nahe, dass über die Höhe dieser Zahlung verhandelt werden soll. Vielleicht fragen Sie sich, wie man sich in diesen Situationen am besten verhält. Wie können Sie einen fairen Preis durchsetzen, ohne stur zu sein? Wie einigt man sich auf einen Betrag, der für alle Seiten sinnvoll ist?

Ihre Einstellung

Die schwierigste Hürde auf dem Weg zu einer profitablen Verhandlung sind Sie selbst – oder genauer: Ihre Einstellung. Nehmen wir der Einfachheit halber einen symbolischen Preis von 10.000 Euro für das Projekt, für das Sie Zustimmung suchen.

Ist das der „letzte“ Preis? Könnten Sie noch Zugeständnisse machen? Ist es vorstellbar, auch für beispielsweise 9.900 oder 9.800 Einigkeit zu erzielen? Was ist die Untergrenze?

Und genau diese Gedanken halten Sie davon ab, einen sinnvollen Preis zu fordern. Sie lenken Sie ab. Sie fokussieren Sie auf die Frage: „Was ist ein guter Preis?“ statt auf die Frage „Was ist es Wert?“

Erlauben Sie mir ein abstruses Denkexperiment: Was wäre, wenn ein Mitarbeiter bei McDonalds sagen wir 10% Preisspielraum hätte. Also er könnte den Hamburger, der einen Euro kostet, auch für 90 Cent verkaufen, wenn er glaubt, dass dadurch der Auftrag sicher ist. Was würde wohl innerhalb kürzester Zeit passieren?

Ich denke, es würde sich schnell verbreiten, dass man bei McDonalds verhandeln kann und jeder würde diese 10% Nachlass verlangen. Der Erlös bei McDonalds würde um 10% sinken, und der Ertrag noch deutlicher.

In der gelebten Realität in einem MacDonald-Restaurant ist das definitiv anders, Wenn Sie dort versuchen einen Burger-Preis zu verhandeln, werden Sie mit Sicherheit in ein ungläubiges Gesicht schauen und die klare Aussage hören, dass alle Preis fix sind.

Mein Tipp daher: Machen auch Sie Ihre Preise zu Festpreisen!

Wenn Sie sich selbst die Preisflexibilität nehmen und sich statt dessen einreden, dass der Preis nicht verhandelbar ist, dann können Sie Ihre Preise auch durchsetzen. Warum das aus Sicht der Profi-Einkäufer sogar notwendig ist, lesen Sie gleich.

Artikel auf Agitano.de weiter lesen…

Preisliste mit Körpertemperatur

Nur der Preis zählt

Wenn Sie Autofahrer sind, können Sie sich bestimmt leicht hier hineinversetzen: Stellen Sie sich vor, Sie müssen sich einen neuen Firmenwagen aussuchen. Das tun Sie im Internet. Detail für Detail stellen Sie sich den neuen Geschäftswagen online zusammen.

Leasing ist Ihre Wahl. Also drucken Sie die Konfiguration aus und senden Sie mit der Angabe der Daten an acht oder zehn Leasinganbieter. In meinem Fall: „45.000 km/Jahr, keine Anzahlung“.

Wie werde ich wohl zwischen den Angeboten entscheiden? Klar: Nach dem Preis. Und zwar ausschließlich. Manchmal wissen wir genau, was wir wollen. Unsere Entscheidung beeinflusst dann nur noch Verfügbarkeit und Preis. Solche Kunden sind der Albtraum vieler Verkäufer.

In meinem Fall hatte einer der Leasingverkäufer seine kleine Chance genutzt. Er rief an und sagte „Danke für die Anfrage. Eine Frage habe ich dennoch: Wollen Sie es mit oder ohne Gap-Absicherung?“

Gezielte Verunsicherung

Heute weiß ich, was er damit meinte. Damals nicht. Und ich habe gefragt. Der smarte Verkäufer erklärte mir den Begriff:

„Gap nennt man in diesem Fall die Differenz zwischen dem aktuellen Restwert des Fahrzeuges und dem aktuellen Buchwert. Gerade am Anfang der Leasing Laufzeit kann das stark abweichen und wenn Ihr Fahrzeug gestohlen wird oder eine Totalschaden entsteht, müssten Sie diese Differenz an die Leasing bezahlen.“

Ich wollte: „mit“. Und er sagte: „Das trifft sich gut. Wir haben gerade eine Aktion laufen. Wenn Sie jetzt ja sagen, kann ich Ihnen sofort die Doppelkarte zusenden.“

Preisliste mit Körpertemperatur?

An diesem Tag habe ich entscheiden, auf das Angebot einzugehen. Sicher, ich hätte mir beide Varianten als Angebot zusenden lassen können. Ich hätte beide Varianten bei allen anderen Anbietern anfragen können. Aber an diesem Tag habe ich entschieden, das Angebot anzunehmen.

Dieser Dialog, der wirklich so stattgefunden hat,  hat mir gezeigt, dass es sich lohnen kann, verkäuferisch aktiv zu werden, auch wenn es vordergründig nur um den Preis geht. Es klappt sicher nicht immer. Aber vielleicht mit einer ausreichen hohen Chance.

Was meinen Sie?

PS: Mein Vortrag passt zu diesem Thema.