Schluss mit Provision im Vertrieb

These: Provisionsmodelle sind fast immer der verzweifelte Versuch mangelnde Führungsarbeit im Vertrieb durch ein Gehaltsabrechnungssystem zu flicken.

Etwas ausführlicher: Freie Handelsvertreter erhalten zu Recht eine Provision. Sie sind frei in der Entscheidung, ob wann und wie viel Zeit sie in den Verkauf von bestimmten Gütern stecken. Als Unternehmer benötigen sie eine betriebswirtschaftliche Grundlage für ihre Entscheidung und das ist die Provision.

Aber das gilt nicht für angestellte Verkäufer, obwohl es großflächig so gemacht wird. Vielleicht, weil so vieles, was in USA gemacht wird hierzulange kritiklos übernommen wird.

Variable Gehälter, deren Höhe an bestimmte Messgrößen geknüpft ist, waren die Hauptursache für unsere aktuelle Finanzkrise. Es liegt in der Natur der Menschen, ihr Einkommen zu maximieren. Wenn ein variables Gehaltssystem gilt, werden alle Betroffenen versuchen, ihr Einkommen zu maximieren.

Selbst bei den besten Systemen ist das was sinnvoll wäre nicht immer das, was die meiste Provision bringt. Die Mitarbeiter werden sich also nach der Provisionsmaximierung orientieren, nicht nach der Sinnmaximierung.

Hinzu kommt, dass man auf Dauer eine Incentive-Stimmung erzeugt, die dann wieder bedeutet, dass nur dann etwas getan wird, wenn es auch etwas “dafür gibt”.

ACHTUNG potentielles Missverständnis: Ich bin nicht für Gleichmacherei. Im Gegenteil, ich bin dafür, dass gute Leistung belohnt wird. Allerdings nicht mit einem komplexen Prämien/Provisions-System, sondern mit guter Führungsarbeit. Jeder, der zwei oder mehr Kinder hat, weiß, dass Gleichbehandlung nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat.

Ich plädiere für Festgehälter im Vertrieb, verbunden mit klaren Zielen und kurzfristigen Messungen der Zielerreichung, Offenlegung der Zielerreichung innerhalb der Vertriebsgruppen und sinnvolle Gehaltsveränderungen bzw. einmalige Boni am Ende der Leistungsperiode.

Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion!

5 Gedanken zu “Schluss mit Provision im Vertrieb

  1. Hallo,
    kann ihnen hier eigentlich nur zustimmen! Die Provisionen die bei einem selbständigen Handelsvertreter (=Unternehmer) legitim sind halte ich bei ANGESTELLTEN Vertrieblern und Managern für verzichtbar – schon alleine deshalb,weil man oftmals vergisst, was man mit den Bonusrelevanten Zielen anrichtet (kurzfristige Abzocke vs. langfristige Kundenbeziehung oder Unnötige und ungesunde Stellenabbaumassnahmen statt langfristigen Strukturveränderungen, seien hier als Beispiele genannt…)

    mfg
    Herbert Lohner

  2. Geschätzter Herr Heinrich,
    dem was Sie hier an Argumenten vorbringen kann ich zustimmen. Dennoch glaube ich, dass zwar bei dem von Ihnen angesprochene Thema notweniger Weise die adäquate Leitungsarbeit und Führung eine gewichtige Rolle spielen, aber diese als Interventionsfelder nicht hinreichend sind. Vor allem ist es auch ein Thema der Kultur und damit auch der (Weiter-) Bildung und Werteerziehung die hier schlagend werden. Wenn über Jahrzehnte offen und verdeckt vermittelt wird, “bist blöd wenn du was tust wofür du nix kriegst”, und dies weiters zu einer Überspitzung führt, dann darf man sich über die Folgen nicht wundern. Ich stimme mit Ihnen überein, dass es nicht um Gleichmacherei und das Vorenthalten von wohlverdienten Ansprüchen geht, aber zu glauben, dass es nur mit “positiver Verstärkung” geht, führt auch in die Sackgasse. Wenn tendenziell keine Leistung mehr zu erwarten ist ohne nicht extra zu geben, dann ist Arbeit weitgehend (von humanem) Sinn-entleert und ähnelt mehr einer Leistungsprostitution.

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