Die Auffassung, dass es letztlich auf eine nicht näher beschreibbare “Gabe” oder “Intuition” ankommt ist nach meiner Meinung in Bezug auf den Vertrieb falsch. Diese Einstellung passt in die Kunst. Dem Ausnahmekünstler Michelangelo wird der Satz zugesprochen “Ich habe die Figur aus dem Stein befreit, in dem ich alles überflüssige wegmeisselte”. Das nenne ich Gabe. Das ist nicht erlernbar. Das ist einzigartig. Und das hat in einem Handwerk wie der modernen Vertriebsarbeit nichts zu suchen!
Das berühmte Bauchgefühl ist inzwischen längst erforscht (Gerd Gingerenzer, “Bauchentscheidungen“). Der Inhalt in einem Satz: Bauchentscheidungen finden weitgehend unbewusst statt, aber sie basieren auf nachvollziehbaren Regeln und eben nicht auf Unerklärlichem.
Intuition kann nur auf der Basis von angewendetem Wissen stattfinden: Wir fahren mit dem Auto und beachten intuitiv die Vorfahrt. Aber nicht weil das angeboren ist, sondern weil es erlernt ist. Und weil es Regeln gibt, an die wir uns unbewusst halten. (Auch wenn nicht alle Fahrer sich an die gleichen Regeln halten
Wer seine Vertriebsergebnisse verbessern will sucht bestimmt nicht nach dem “ultimativen Verkäufer” oder irgendeiner Eingebung. Er wird mit oder ohne Bauchgefühl die Stellschrauben suchen, an denen man das Ergebnis höher drehen kann und sie dann in der richtigen Richtung verstellen. Die Hoffung, dass man einen wahren Vertriebs-Künstler in seiner Mannschaft hat und der dann auch noch rechtzeitig von der Muse geküsst wird, dürfte für die meisten Unternehmen keine Überlebensstrategie darstellen.


Was den letzten Absatz angeht: Ein leidliches D´accord. Kunst jedoch, auch die verkäuferische, kommt von “können” und nicht von “kennen”.